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Infothek

Diabetes und Ernährung

 

Warum abnehmen?

Ein gesundes Körpergewicht schützt vor vielen Erkrankungen, darunter auch Typ-2-Diabetes.

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Wie abnehmen?

Wenn von unserem Körper mehr Energie verbraucht, als ihm in Form von Nahrung zugeführt wird, spricht man von einer negativen Energiebilanz. Das Resultat einer negativen Energiebilanz  ist die Senkung des Körpergewichts. Kurzfristige Diäten können zwar zu einem schnellen Gewichtsverlust führen, sie werden jedoch meist nicht dauerhaft durchgehalten. Bei Wiederaufnahme des gewohnten Ernährungsmusters kommt es anschließend zum sogenannten Jo-Jo-Effekt. Das Körpergewicht steigt wieder, häufig sogar über das Ausgangsgewicht.

 

Um eine erfolgreiche, gesunde und langfristige Gewichtsabnahme zu erreichen, müssen die eigenen Lebensgewohnheiten also dauerhaft umgestellt werden.

 

Die drei Grundpfeiler der Gewichtsreduktion         

 

Ernährung

Ein Kaloriendefizit von 500 Kilokalorien (kcal) pro Tag ist anzustreben, um die Energiezufuhr zu verringern. Diese Kalorien sollten durch die Reduktion der Aufnahme von Fetten und Kohlenhydraten eingespart werden. Die Ernährungsumstellung sollte an die eigenen Vorlieben angepasst werden, um auch möglichst langfristig umsetzbar zu sein.

Bewegung

Körperliche Aktivität verbraucht Energie, steigert die Lebensqualität und das Wohlbefinden und verringert das Risiko für Folgeerkrankungen. Mit regelmäßigen Spaziergängen, der Nutzung von Treppen statt Aufzügen oder Rolltreppen und der Wahl des Fahrrads anstelle des Autos lässt sich Bewegung relativ einfach im Alltag integrieren. Eine aktive Mitgliedschaft in einem Sportverein oder einem Fitnessstudio kann ebenfalls einen großen Beitrag leisten. Das Bewegungsprogramm sollte mindestens 150 Minuten pro Woche umfassen und an die eigenen Vorlieben angepasst sein.

Verhalten

Es gilt sich bewusst zu machen, dass man sich und seine Umwelt in einem gewissen Maße ändern muss, um Ernährungsumstellung und Bewegung erfolgreich in den Alltag zu integrieren. Bestimmte Verhaltensmuster begünstigen einen Rückfall in alte Angewohnheiten und sollten umgangen werden. Problem- und Konfliktlösung können trainiert werden. Die Teilnahme an einer Verhaltenstherapie oder das Aufsuchen einer Selbsthilfegruppe zum gegenseitigen Austausch können eine gute Hilfestellung geben. 

Welches Ernährungsmuster ist für Patientinnen und Patienten mit Typ2-Diabetes am besten geeignet?

  • Laut einem 2019 veröffentlichtem Bericht der American Diabetes Association (ADA) kann bisher noch kein Ernährungsmuster benannt werden, das allen anderen überlegen ist
  • Die größte Senkung der Blutglukosespiegel bei Personen mit Diabetes zeigte jedoch eine Reduktion der Kohlenhydrataufnahme
  • Dies kann über verschiedene Ernährungsmuster umgesetzt werden

Bis genug Beweise vorliegen um ein spezifisches Ernährungsmuster empfehlen zu können empfiehlt die ADA die Einhaltung folgender Kernpunkte:

  • Die bevorzugte Verwendung von nicht stärkehaltigem Gemüse
  • Die Vermeidung von Zuckerzusätzen und raffiniertem Getreide
  • Die Bevorzugung von unverarbeitetem gegenüber stark verarbeiteten Lebensmitteln

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) verweist auf ihrer Webseite auf eine 2018 veröffentlichte Studie, in der die Mittelmeer Diät im Vergleich zu acht anderen Ernährungsmustern am besten die Blutglukosekonzentration bei Menschen mit Typ-2-Diabetes senkte.

Der Ausschuss Ernährung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) ist der Meinung, dass die Fettsäurezusammensetzung, Ballaststoffe und die glykämische Last wichtiger seien als das reine Verhältnis der Makronährstoffe. Ein hoher Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren und Ballaststoffen in der Ernährung ist besonders empfehlenswert.

Von kurzfristigen Diäten, die eine schnelle Gewichtsreduktion versprechen ist abzuraten, da diese kurzzeitigen und meist einseitigen Kostformen nicht dauerhaft eingehalten werden können und eine ausgewogene Nährstoffzufuhr gefährden. Zudem kommt es nach diesen Diäten häufig zum sogenannten Jojo-Effekt.

Welche möglichen Risiken und Probleme treten bei Ernährungsmustern auf, die eine Reduktion der Kohlenhydrataufnahme anstreben (z.B. bei der Low-Carb-Ernährung)?

  • Bei einer kohlenhydratarmen Ernährung besteht die Gefahr, dass sich die Personen an Lebensmitteln bedienen, die sehr fetthaltig sind. Eine langfristig erhöhte Aufnahme von gesättigten Fetten kann eventuell das Risiko für die Entwicklung Herzkreislauf erhöhen
  • Es ist bisher noch nicht ausreichend untersucht worden, ob ein Ernährungsmuster, dass eine starke Reduktion der Kohlenhydrate anstrebt für Schwangere und Diabetes-Patientinnen und –Patienten mit einer chronischen Niereninsuffizienz oder Essstörungen geeignet sind
  • Zudem an ein Ernährungsmuster das eine starke Reduktion von Kohlenhydraten anstrebt (z.B. Very-Low-Carb-Ernährung) zu einer erhöhten Wasserausscheidung und einer schnellen Abnahme der Blutglukosewerte führen.

Diabetes-Patientinnen und –Patienten sollten vor einer geplanten Ernährungsumstellung einen Arzt oder einen zertifiziertem Ernährungstherapeuten kontaktieren und sich beraten lassen. Eine Beratung ist wichtig, um Nährstoffunterversorgung und Dehydrierung zu vermeiden und um eventuelle Anpassungen der Medikation vorzunehmen und der Unterzuckerung vorzubeugen.

 

Praktische Ernährungsempfehlungen zur Gewichtsreduktion und Minimierung des Risikos von Folgeerkrankungen

(Die Empfehlungen basieren auf der Patientenleitlinie zur Diagnose und Behandlung von Adipositas)

  • Verringern Sie ihre Energieaufnahme um 500 bis 800 kcal pro Tag
  • Verkleinern Sie die Portionsgrößen von energiereichen Lebensmitteln (z.B. Öl) und vergrößern Sie die Portionsgrößen von energiearmen Lebensmitteln (z.B. Gemüse)
  • Bevorzugen Sie kleine Portionen
  • Reduzieren Sie den Verzehr von fett- und zuckerreichen Lebensmitteln, Fertiggerichten, Backwaren und Fastfood
  • Sparen Sie beim Verzehr von Zucker und Salz (z.B. keine mit Zucker gesüßten Getränke, keine salzreichen Lebensmitteln, Würzen mit Kräutern statt mit Salz)
  • „Nimm 5 am Tag“! Sie sollten mindestens 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst am Tag essen. Diese Lebensmittel sind reich an Nährstoffen (z.B. Vitamine, Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe) und tragen zur Sättigung bei
  • Nutzen Sie bei der Wahl von Fetten vor allem pflanzliche Lebensmittel wie Öle, Nüsse und Samen
  • Wählen Sie Vollkornprodukte bei der Wahl von Brot, Nudeln, Reis oder Mehl. Diese enthalten mehr Nährstoffe und steigern unser Sättigungsgefühl
  • Decken Sie Ihren Flüssigkeitsbedarf von mindestens 1,5 Litern pro Tag und bevorzugen Sie Wasser. Ungesüßter Tee oder Kaffee sind ebenfalls geeignet.
  • Nehmen Sie sich Zeit zum Essen und genießen Sie ihre Mahlzeit.
  • Regelmäßige Mahlzeiten und deren Protokollierung helfen Ihnen den Überblick zu behalten
  • Kontrollieren Sie regelmäßig ihr Körpergewicht
  • Bleiben Sie in Bewegung und treiben Sie Sport
  • Denken Sie daran, dass die Umstellung Ihrer Lebensgewohnheiten und das Abnehmen Zeit brauchen und dass Sie Ihre Bemühungen langfristig aufrecht erhalten wollen

Diabetes und körperliche Aktivität

 

Es gibt bereits zahlreiche Beweise für einen Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und der Prävention von Typ-2-Diabetes. Regelmäßige Bewegung in Kombination mit einer gesunden Ernährung hilft Menschen mit einer Vorstufe des Diabetes (Prädiabetes) unter anderem dabei ihre Blutzuckerwerte zu verbessern und die Entwicklung von Typ-2-Diabetes hinauszuzögern.

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Doch was ist mit denjenigen, die bereits an Diabetes erkrankt sind?

Menschen mit Diabetes sind gefährdet diabetesbedingte Begleit- und Folgeerkrankungen zu entwickeln, darunter zum Beispiel:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Schlaganfall und sonstige Erkrankungen der Blutgefäße des Gehirns
  • Herzinsuffizienz
  • Retinopathie, Nephropathie & Neuropathie

 

 

Regelmäßige körperliche Aktivität ist ein wesentlicher Bestandteil der Diabetes-Therapie, vor allem bei Typ-2-Diabetikern. Nach aktuellen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), sollen Erwachsene mit chronischen Erkrankungen mindestens 150-300 Minuten pro Woche mit moderater aerober körperlicher Aktivität verbringen sollen (mit aerober körperlicher Aktivität ist jeglicher Ausdauersport gemeint, wie z.B. Laufen, Radfahren, Schwimmen, Wandern, Nordic Walking).

 

Neue Forschungsergebnisse machen Mut!

Eine Metaanalyse des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) aus dem Jahr 2022 zeigt nun, dass schon geringe Mengen körperlicher Aktivität vor langfristigen diabetesbedingten Komplikationen schützen können. Eine Metaanalyse fasst die Ergebnisse mehrerer Einzelstudien mittels statistischer Methoden zu einem globalen Ergebnis zusammen, sodass praktische Handlungsempfehlungen abgeleitet werden.

 

Die Ergebnisse der Metaanalyse

  • Auswertung von 31 relevanten Studien aus 20 verschiedenen Ländern zwischen 1995 und 2021
  • Moderate Beweissicherheit dafür, dass körperliche Aktivität mit einem verringerten relativen Risiko für das Auftreten und die Sterblichkeit von kardiovaskulären Erkrankungen und mikrovaskulären Gesamtkomplikationen (insbesondere Retinopathie) verbunden war
  • Risikoreduktion für das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen um bis zu 20%
  • Risikoreduktion für das Versterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen um bis zu 35%
  • Risikoreduktion von mikrovaskulären Folgeerkrankungen um bis zu 35%
  • Selbst ein geringes Maß an körperlicher Aktivität ist zur Vorbeugung von diabetesbedingten Komplikationen wirksam
  • Mit steigender körperlicher Aktivität sinkt das Risiko für Folgeerkrankungen (Dosis-Wirkungs-Beziehung)
  • Die stärkste Risikosenkung wurde bei 20 bzw. 40 MET-h/Woche (Metabolisches Äquivalent)  beobachtet

In einer weiteren Studie konnte gezeigt werden, dass Ausdauersport die Empfindlichkeit des Gehirns für Insulin verbessert. Forscher des DZD (Deutsches Zentrum für Diabetesforschung) haben gezeigt, dass bereits 8 Wochen Ausdauersport dabei helfen können die Insulin-Empfindlichkeit von stark übergewichtigen Erwachsenen wiederherzustellen. Das Trainingsprogramm verbesserte die Wirkung des Insulins im Gehirn auf das Niveau einer Person mit gesundem Gewicht. Zudem hatte die körperliche Aktivität positive Auswirkungen auf den Stoffwechsel, das Hungergefühl und führte zu Reduktion des ungesunden Bauchfetts.

 

Diabetes und Muskeltraining

 

Der heilsame Effekt des Muskeltrainings

Das Sport gesund ist und zur Prävention und Therapie von vielen Krankheiten beitragen dürfte bereits bekannt sein. Auch dass ein Mangel an Bewegung nicht gerade gesundheitsförderlich ist, ist nichts Neues. Welche Vorteile sich jedoch explizit aus der Ausübung von Krafttraining ergeben ist den wenigsten bekannt.

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Die Freisetzung von Myokinen

Muskeln setzten bei intensiver Beanspruchung vermehrt Botenstoffe in unserem Körper frei. Diese Botenstoffe, die sich über die Blutbahn im Körper verteilen, werden Myokine genannt. Sie sollen nicht nur in einem akuten Krankheitsstadium helfen, sondern auch vor chronischen Erkrankungen, wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Osteoporose schützen.

 

Was genau sind Myokine?

Myokine sind hormonähnliche, körpereigene Stoffe, die von den Muskeln produziert und freigesetzt werden. Biochemisch betrachtet gehören sie zur Gruppe der Interleukine (z.B. IL-6, IL-8, IL-15). Sie gelten als Botenstoffe mit einer Vielzahl von positiven Einflüssen auf den gesamten Organismus und werden vermehrt während des Krafttrainings ausgeschüttet. Allerdings werden sie nicht nur beim Krafttraining, sondern auch bei Ausdauersport oder jeglicher anderen Art der Bewegung gebildet.

Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Die neuste Forschung zeigt, dass Myokine die Herzmuskelzellen stärken  und vor Ablagerungen im Herzgewebe schützen können. Da diese beim Sport vermehrt ausgeschüttet werden, wird angenommen, dass sportlich trainierte Skelettmuskeln zur Herzgesundheit beitragen.

Schutz vor Osteoporose, Demenz, Depressionen und Diabetes mellitus?

Bestimmte Myokine sollen sogar die Blut-Hirn-Schranke überwinden und als Folge gewisse Gehirnareale (z.B. Hippocampus) stimulieren. So sollen Erinnerungs- und Lernvermögen gesteigert werden können. Möglicherweise können Myokine somit sogar vor Demenz und Depressionen schützen, wenn sie in ausreichende Menge gebildet werden. Depressionen sind eine häufige Begleiterscheinung von Diabetes. Auch Demenz tritt bei Diabetikern doppelt so häufig auf, wie bei gesunden Menschen.

Des Weiteren scheinen Myokine die Stabilität und Dichte von Knochen zu verbessern und zur Prävention von Osteoporose beizutragen, indem sie den Knochenabbau verhindern. Zudem sollen sie dazu in der Lage sein die Fettsäureoxidation und den Zuckerstoffwechsel bei Typ-2-Diabetes-Patienten zu verbessern.

 

Diabetes und Demenz

 

Gibt es einen Zusammenhang der beiden Erkrankungen?

Es wird vermutet, dass vor allem Typ-2-Diabetes zu Veränderungen des Zuckerstoffwechsels im Gehirn und zur Schädigung von Blutgefäßen führen kann. Diese Blutgefäße versorgen unsere Nervenzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen. Durch die Folgeschäden an den Gefäßen kann es zu einer verminderten Sauerstoffversorgung und zu Durchblutungsstörungen von Nervenzellen kommen. Die Zellen werden also dauerhaft geschädigt, was sich wiederum negativ auf die Gedächtnisleistung auswirkt. Man spricht in diesem Zusammenhang von vaskulärer Demenz.

Haben Diabetiker ein erhöhtes Risiko an Demenz zu erkranken?

Aus verschiedenen Beobachtungsstudien geht hervor, dass Demenz bei Menschen mit Diabetes nahezu doppelt so häufig auftritt, wie bei Menschen, die nicht an Diabetes erkrankt sind. Am häufigsten sind Diabetiker von der Alzheimer-Demenz und der vaskulären Demenz betroffen. Zudem konnte gezeigt werden, dass die Demenz bei Menschen mit Diabetes früher auftritt und dass das Risiko umso größer ist, je länger der Diabetes besteht.

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Beeinflussbaren Risikofaktoren?

  • Bewegungsmangel (einer der wichtigsten Risikofaktoren),
  • Diabetes (chronische hohe Blutzuckerspiegel),
  • schwere Unterzuckerung (können das Risiko stark erhöhen),
  • Übergewicht, Bluthochdruck
  • Depressionen
  • Rauchen

 

Was kann zur Prävention unternommen werden?

Eine Unterzuckerung sollte vermieden werden. Bereits drei schwere Fälle von Unterzuckerung erhöhen das Risiko einer Demenz enorm. Ein gesunder Lebensstil mit ausreichender Bewegung und einer ausgewogene Ernährung ist zudem sehr empfehlenswert. Zudem sollte auf Nikotin bzw. auf das Rauchen verzichtet und Alkohol nur in Maßen, wenn überhaupt, konsumiert werden. Auch die Wahrnehmung regelmäßiger ärztlicher Kontrolltermine zur Überprüfung der Zuckerwerte und zur Besprechung weiterer Therapieziele ist ein wichtiger Punkt.

 

Diabetes und CGM-Systeme

 

Was machen CGM-Systeme und wie funktionieren sie?

CGM-Geräte überwachen den Zuckerwert in der Gewebsflüssigkeit des Unterhautfettgewebes und das rund um die Uhr. Bei „Real-Time-CGM“-Geräten werden die Daten von einem Sensor erfasst und alle fünf bis zehn Minuten an ein Empfangsgerät (z.B. das Smartphone) gesendet. Die Werte werden anschließend auf den Empfangsgeräten gespeichert und können in Form von Diagrammen und Statistiken abgerufen werden. So ergibt sich ein umfassendes Gesamtbild der Stoffwechsellage. Die Geräte können Schwankungen und Stoffwechselentgleisungen wie z.B. Unterzuckerung aufdecken und über das Auslösen eines Alarms am Empfangsgerät davor waren.  Zu beachten ist jedoch, dass nicht der Blutzuckerwert, sondern der Zuckerwert im Unterhautfettgewebe gemessen wird, der mit einer Verzögerung von 5 – 20 Minuten den Wert des Blutzuckers anzeigt!

Die Geräte werden traditionell transkutan, also in die Haut, eingesetzt und haben eine Nutzungsdauer von ca. 7-14 Tagen. Es gibt allerdings auch schon CGM-Geräte, die subkutan, also vollständig unter der Haut, eingesetzt werden. Diese haben eine Laufzeit von bis zu 6 Monaten.

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Vorteile von CGM-Geräten für Personen mit Typ-1-Diabetes:

  • Überblick über den täglichen Blutzuckerverlauf
  • Blutzuckerwerte unterliegen weniger Schwankungen
  • Insgesamt niedrigere Blutzuckerwerte bei gleichzeitig seltenerer Unterzuckerung
  • Weniger vorkommende schwere Unterzuckerung
  • Vermutlich verbesserte Lebensqualität (z.B. durch Verbesserung von Schlaf und weniger Angst vor Unterzuckerung)
  • Erleichtere Messung durch Ersatz des „Fingerstechens“

Auch interessant:

Für Familien mit Kindern, die an Typ-1-Diabetes erkrankt sind, könnte die Share-Funktion gewisser CGM-Geräte nützlich sein, mit der die Zuckerwerte und die Alarmsignale mit bis zu zehn Angehörigen geteilt werden können.

Bekannte Nachteile bzw. Nebenwirkungen von CGM-Geräten:

  • Regelmäßige Kalibrierung erforderlich
  • Hautirritationen durch den Sensor sind möglich
  • Schlafstörungen durch einsetzenden Alarm sind ebenfalls möglich
  • Regelmäßiges Wechseln des Sensors nach ca. zwei Wochen

Ein normales Messgerät mit Teststreifen sollte dennoch zusätzlich vorhanden sein, um den Blutzucker zusätzlich oder bei Bedarf zu überwachen.

Wie sieht es aus mit der Kostenübernahme?

Unter den folgenden Voraussetzungen ist eine Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse möglich:

  • Bei intensiver Insulintherapie mit und ohne Pumpe, wenn andere Verfahren wenig erfolgreich waren oder ein Therapieziel definiert ist, welches bislang nicht erreicht wurde
  • Verordnung bzw. Rezept durch die behandelnde Diabetologin bzw. den behandelnden Diabetologen im Rahmen des DMP
  • Teilnahme des Diabetikers, der Diabetikerin an einer Schulung zum Umgang mit dem CGM-Gerät (durch Arzt/Ärztin)

Für weitere Informationen zur Kostenübernahme wenden Sie sich an Ihre Krankenkasse oder an Ihre Ärztin bzw. Ihren Arzt.

 

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Was versteht man unter einer Ketoazidose?

  • Ist eine gefährliche Stoffwechselentgleisung
  • Ausgelöst durch Insulinmangel und vermehrte Bildung von Ketonkörpern
  • Geht mit Blutzuckerwerten von 250 mg/dl (13,9 mmol/l) einher
  • Kann unbehandelt zu lebensgefährlichen diabetischem Koma führen
  • Sofortige intensivmedizinische Behandlung notwendig

 

 

Wie kommt es zur Ketoazidose?

  • Insulin ist verantwortlich für den Transport von Glukose in die Körperzellen
  • Der Zucker wird zur Energiegewinnung benötigt
  • Fehlt Insulin, so gelangt der Zucker nicht mehr in die Zellen
  • Diese kompensieren ihren Energiebedarf über den Abbau von Fettreserven, wobei saure Ketonkörper als Stoffwechselprodukte gebildet werden
  • Diese reichern sich im Blut an und können zu einer Übersäuerung führen (metabolische Azidose)
  • Ein Teil der Ketonkörper wird zudem über den Urin und die Atemluft abgegeben

Außerdem:

  • Als Konsequenz der mangelnden Aufnahme der Glukose kommt es zur Hyperglykämie (Erhöhte Glukosespiegel im Blut), die zur Folge hat, dass verstärkt Wasser und Elektrolyte über den Harn ausgeschieden  werden
  • Als Folge dessen kommt  es zur Dehydrierung und zu einer ausgeprägten Elektrolytentgleisung

Warum sind Typ-1-Diabetiker so häufig betroffen?

  • Tritt vor allem bei  Menschen mit Typ-1-Diabetes auf
  • Bei Typ-1-Diabetes produziert der Körper kaum oder gar kein Insulin
  • Betroffene deshalb besonders anfällig
  • Risiko besteht aber auch bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, ist aber deutlich geringer

Ursachen für eine diabetische Ketoazidose

  • Diabetes bislang noch nicht bekannt
  • Insulingabe vergessen
  • Erhöhter Insulinbedarf (z.B. infolge eines Infekts)
  • Defekt des Insulinpens, der Pennadel oder der Insulinpumpe
  • Medikamente, die die Insulinempfindlichkeit verringern oder den Blutzuckerspiegel stark ansteigen lassen

Was sind die typischen Anzeichen einer Ketoazidose?

  • Stark erhöhter Blutzuckerspiegel von über 250 mg/dl (13,9 mmol/l)
  • Starkes Durstgefühl
  • Häufiges Wasserlassen aufgrund des erhöhten Blutzuckerspiegels
  • Trockene Haut oder Schleimhäute
  • Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen
  • Müdigkeit, Benommenheit, Sehstörungen, Bewusstseinsstörungen
  • Azeton-Geruch (süßlich bzw. nach verdorbenen Obst) der Atemluft, Vertiefte Atmung  

Behandlung und Therapie

Bei entsprechenden Anzeichen oder Verdacht auf Ketoazidose, sowie Blutzuckerwerten bei 250 mg/dl sollten Betroffene überprüfen, ob eine Übersäuerung des Blutes besteht. (Es gibt z.B. Blutzuckermessgeräte mit speziellen Keton-Teststreifen oder Urinteststreifen). Bei einem positiven Test ist schnelles Handeln erforderlich. Viel Trinken und die Gabe von Insulin können bei einer beginnenden Ketoazidose helfen. Es sollte jedoch so schnell wie möglich ein Arzt aufgesucht werden.

Wegen der Schwere des Krankheitsbildes (Möglichkeit des diabetischen Komas mit lebensgefährlichen Folgen) ist meist eine intensivmedizinische Behandlung notwendig, bei der eine intravenöse Infusion mit Flüssigkeit, Elektrolyten und Insulin erfolgt.

 

Prädiabetes

 

Was ist Prädiabetes?

Prädiabetes ist die Vorstufe des Typ-2-Diabetes und daher ein deutliches Warnsignal. Er liegt vor, wenn der Blutzuckerspiegel bereits erhöht ist, der Wert jedoch noch nicht so hoch ist, dass ein Diabetes diagnostiziert werden kann. Beim Prädiabetes ist die insulinbildende Funktion der Bauchspeicheldrüse noch beeinträchtigt. Daher ist es möglich durch die Umstellung der Ernährung und des Lebensstils den Prädiabetes zu verdrängen.

Ursachen für Prädiabetes

Insulin wird in den Langerhans‘schen Inseln der Bauchspeicheldrüse gebildet und hat die Eigenschaft den Blutzucker zu regulieren. Insulin wird nach Kohlenhydratreichen Mahlzeiten freigesetzt, um den Blutzucker zu senken und Glukose in die Körperzellen einzuschleusen. So nimmt der Blutzuckerspiegel wieder normale Werte an. Beim Prädiabetes ist die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen herabgesetzt, in diesem Zusammenhang spricht man von einer Insulinresistenz. Um diese zu kompensieren erhöht die Bauchspeicheldrüse die Insulinproduktion. Sie schafft es jedoch nicht ganz die Unempfindlichkeit der Körperzellen zu deckeln. Somit kann der Blutzuckerspiegel nicht mehr so effektiv gesenkt werden und erhöht sich.

Risikofaktoren für Prädiabetes

  • Fortgeschrittenes Alter
  • Übergewicht/Adipositas
  • Bewegungsmangel
  • Hoher Blutdruck / Hohe Blutfettwerte
  • Aufgetretener Schwangerschaftsdiabetes
  • Diabetes in der Verwandtschaft
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Symptome

Prädiabetes tritt häufig zusammen mit Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhten Blutfettwerten auf. Die Kombination dieser und weiterer Stoffwechselstörungen wird auch als Metabolisches Syndrom bezeichnet. Prädiabetes selbst zeigt bis auf die messbaren Laborwerte keine spürbaren Symptome. Es gibt nur selten Anzeichen und diese treten häufig auch beim echten Diabetes auf.

Dazu zählen:

  • Vermehrter Durst, Anfälligkeit für Infektionen, kribbelnde Schmerzen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Schwindel

Gesundheitsrisiken bei Prädiabetes

  • Übergang in einen Typ-2-Diabetes
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Schlaganfälle
  • Chronische Nierenerkrankungen
  • Demenz

Wie erfolgt die Diagnose von Prädiabetes?

Meist wird Prädiabetes zufällig bei einer normalen Blutuntersuchung diagnostiziert. Bei erhöhten Blutzuckerwerten wird häufig, nach Veranlassung durch das medizinische Personal, ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt um den Blutzuckerwert im nüchternen Zustand zu bestimmen.

Nüchternglukosewerte im Bereich von 100 – 125 mg/dl weisen auf einen Prädiabetes hin. Ebenso Blutzuckerwerte von 140 – 199 mg/dl bei einem oralen Glukosetoleranztest. Ein weiterer wichtiger Messwert ist der sogenannten Blutzuckerlangzweitwert (HbA1c-Wert). Aus diesem Wert lässt sich der durchschnittliche Blutzucker der vergangenen 2 – 3 Monate schließen. Werte über 5,7 Prozent gelten hier als erhöht.

Welche Faktoren wirken sich positiv auf Bekämpfung des Prädiabetes aus?

Die drei wichtigsten Faktoren sind: körperliche Aktivität, die Umstellung der Ernährung (Konsultation Ärztin/Arzt und/oder Ernährungsberaterin/Ernährungsberater) und die Reduktion des Körpergewichtes.